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Drei Tipps gegen Rückenschmerzen: Bewegen, bewegen und nochmals bewegen

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Bochum. „Turne bis zur Urne“ ist einer seiner mittlerweile schon legendären Hinweise. Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer beschäftigt sich seit langer Zeit mit der Prävention von Rückenleiden – und betont dabei immer wieder die besondere Bedeutung von Bewegung und sportlicher Aktivität. Dabei schaut der Mediziner aus Bochum, der von den Medien gern „Rückenpapst“ genannt wird, ganzheitlich auf das Problem. Wir sitzen meist zu viel und bewegen uns zu wenig, sagt er im Interview.

Zum Tag der Rückengesundheit wird die Bedeutung von Bewegung zur Prävention von Rückenschmerzen hervorgehoben. Ein Ansatz, den auch Sie immer wieder betonen.

Das stimmt. Langes Sitzen am Arbeitsplatz, Arbeiten in Fehlpositionen oder Übergewicht – all das kann den Rücken belasten. Mein Leitsatz deswegen: „Turne bis zur Urne!“ Etwa 85 Prozent der Rückenschmerzen sind nicht-spezifische Schmerzen – das heißt, es gibt keinen Hinweis auf eine konkrete Erkrankung. Diese gehen glücklicherweise meist in nur wenigen Tagen von allein wieder weg. Spezifische Rückenschmerzen hingegen werden von konkret benennbaren Erkrankung ausgelöst, zum Beispiel durch eine Arthrose der Wirbelgelenke oder eine Einengung des Rückenmarkskanals.

Wie kann man denn Rückenschmerzen bereits im Vorfeld vermeiden?

Rückenschmerzen werden zu mindestens 80 Prozent durch Muskelverspannungen ausgelöst. Das kommt meistens von einer falschen Haltung oder Sitzhaltung, zum Beispiel wenn man den ganzen Tag nach unten auf den Computer schaut, anstatt auf Augenhöhe mit dem Bildschirm zu arbeiten. Zudem sitzen wir meistens – ebenfalls zu 80 Prozent – mit rundem Rücken da und ändern auch zu selten die Sitzposition. Meine Devise: Eine Stunde Bewegung oder Sport an jedem Tag! Denn das Wichtigste ist: Bewegung, Bewegung und nochmal Bewegung. Gerade bei Rückenschmerzen ist sie die ideale Therapie und in jedem Stadium einzusetzen: vorbeugend, aber auch begleitend und nachsorgend.

Was aber, wenn es zur Vorbeugung schon zu spät ist? Was kann ich gegen Rückenschmerzen tun?

Weil es so schön ist gleich nochmal: Bewegen, bewegen, bewegen! Das ist in jedem Stadium das Beste. Wärmebehandlungen, Massagen, Akupunktur, Shiatsu, Physiotherapie oder Pilates sind ebenfalls gute Unterstützer. Wenn es schlimmer wird, können leichte Schmerzmittel eingesetzt werden, aber bitte immer nur nach Rücksprache mit dem Arzt. Dann gibt es natürlich die Mikrotherapie, bei der man mit Hilfe der Computer- und Kernspintomographie zielgenau und rein lokal behandeln kann. Besonders bei Bandscheibenproblemen können diese minimalinvasiven Therapien helfen. Grundsätzlich aber rate ich: Lauschen Sie in sich hinein, hören Sie auf Ihr Gefühl und Ihren Körper! 

Für Operationen und Therapien werden Milliarden ausgegeben – und doch werden viele Patienten ihr Leiden nicht los. Warum?

In Deutschland wird viel zu schnell operiert, häufig ohne eine korrekte Diagnosestellung. Rückenschmerzen werden zu schnell den Bandscheiben zugeordnet, und wenn dann noch das radiologische Bild eine Vorwölbung zeigt … Aber hier ist glücklicherweise ein Wandel zu bemerken. Insofern ist immer wieder zu betonen: Es gibt in vielen Fällen Alternativen zur Operation, es gibt schonendere und ambulante Verfahren - wie die Mikrotherapie. Zurück zur Diagnose: Klassischerweise wird eine Röntgenaufnahme gemacht, obwohl man auf dem Bild nur die knöchernen Strukturen sieht. Muskelschwund oder ein Bandscheibenvorfall – auch Nerven – werden so nicht sichtbar und auch andere Veränderungen nur dann, wenn sie den Knochen betreffen. Beispielsweise ein Verschleiß der Wirbelgelenke, eine Arthrose.  Selbst eine akute Entzündung im Gelenk ist nicht sichtbar. Optimale Aufnahmen liefert eine Kernspintomografie, weshalb wir dieses modernere bildgebende Schnittbildverfahren favorisieren. Und es vermeidet zugleich eine Strahlenbelastung, die jede Röntgenaufnahme darstellt.

Der Kampf gegen den Rückenschmerz aus ihrer Sicht Teamarbeit. Wer sollte daran beteiligt sein?

Wo und wann immer Rückenschmerzen auftreten, bedarf es einer ganzheitlichen Analyse und eines Behandlungskonzepts von „leicht nach schwer“. Gefordert ist zuerst das solidarische und multidisziplinäre Zusammenwirken von Hausarzt, Krankengymnasten, Osteopathen, Manual- und Sporttherapeuten, Naturheilkundlern und Therapeuten psychischer Disziplinen. Erst danach ist der invasive Ansatz zu wählen, seien es Injektionen, Mikrotherapie oder Operation. Dazukommen sollten vorbeugende Maßnahmen, nationale Vorsorgeprogramme mit Fitnesskampagnen und einer Aufklärung, die schon bei den Kindern in den Schulen ansetzt. Vor allem aber sollten wir immer wieder daran denken: Wir selbst können so viel tun für uns und unseren Körper, durch viel Sport und Bewegung, möglichst täglich!

Die Grundzüge der Mikrotherapie

Die Verfahren der Mikrotherapie sind eine Zusammenführung und Weiterentwicklung von interventioneller Radiologie, Endoskopie und Schmerztherapie als ambulante Verfahren. Sie lassen sich gerade an Rückenerkrankungen, beispielsweise Bandscheiben, sehr erfolgreich und für Patienten schonend einsetzen. Normalerweise wird in der Radiologie der Computer- oder Kernspintomograph nur zur Diagnostik benutzt. Da aber die die bildliche Auflösung im Millimeterbereich liegt, können auch immer winzigere Instrumente unter Sicht mit diesen Sichtmethoden gesteuert werden. Gleichzeitig wird in den letzten Jahren auch das Instrumentarium für Operationen und anderen Behandlungen - zum Beispiel zur Biopsie, zur Endoskopie oder Implantation von Schmerztherapiesonden - immer kleiner. Sie können punktgenau unter Sicht platziert werden. Der Patient wird zur Behandlung auf der Liege so positioniert, dass die zu therapierende Region optimal zu erreichen ist und im Tomographen sichtbar gemacht werden kann. Die meisten Eingriffe erfolgen bei lokaler Betäubung. Während der Behandlung kann der Arzt sich meist mit dem Patienten unterhalten. Die Eingriffe sind in der Regel ohne Narkose durchführbar und schmerzlos.