Achtung, Handynacken!

Wie uns die Technik aufs Kreuz geht

In der Straßenbahn, beim Mittagessen, auf dem Sofa – immer mehr Menschen haben immer häufiger ihr Handy im Blick. Dabei liegt es auf der Hand, dass das Handy auch jenseits ständiger Erreichbarkeit noch etwas mit Ihnen anstellt. Zum Beispiel körperlich.

Dr. Carsten Moser: Stimmt. Eine starre und verkrampfte Kopfhaltung bei der Smartphone-Nutzung führt schnell mal zu muskulären Verspannungen, Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich, Kopfschmerzen und viel zu frühen Verschleißerscheinungen. Nicht anders ist das bei langem Sitzen vor dem Computerbildschirm oder bei der Nutzung eines Tablets. Wenn man bedenkt, dass die Smartphone- und Tablet-Nutzung pro Tag bei den 18- bis 25-Jährigen durchschnittlich bis zu vier Stunden liegt, ist es kein Wunder, dass die neue Technik ihren Tribut fordert.

Warum kann eine zu häufige Handynutzung uns aufs Kreuz gehen?

Dr. Carsten Moser: Die unnatürliche Körperhaltung bei der Smartphonenutzung, insbesondere das lang andauernde Neigen des Kopfes, belastet unseren Nacken, genauer gesagt unsere Halswirbelsäule, stark. Der menschliche Kopf wiegt bei Erwachsenen im Schnitt schon stolze vier bis fünf Kilo. Neigen wir den Kopf aber nun beispielsweise nur um 15 Grad nach vorne, erhöhen sich die Kräfte, die auf die Halswirbelsäule einwirken, auf umgerechnet zwölf Kilo! Der Neigungswinkel des Kopfes beträgt beim Schauen auf das Smartphone in den meisten Fällen 60 Grad, was für die Halswirbelsäule eine zusätzliche Last von 27 Kilogramm bedeutet. Diese intensive Belastung für die Muskulatur und die Halswirbelsäule bleibt nicht ohne Folgen.

Was kann ich tun gegen den „Handynacken“? Handy wegschmeißen?

Dr. Carsten Moser: Wegschmeißen wäre sicher eine Möglichkeit, dann müssten aber auch alle Tablets dran glauben... Im Ernst: Es sollte darum gehen, sich überhaupt des Problems bewusst zu werden. Man kann die Nutzungszeiten begrenzen und versuchen, entstehende Belastungen frühzeitig auszugleichen. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang Ausgleichsbewegungen, Dehnübungen, die Kräftigung der Muskulatur, Bänder und Sehnen. Bewegung, Sport, Entspannung – das sind die drei Faktoren, die sich anbieten. Wer nicht gleich zur Nacken-Massage greifen will, der kann sich vielleicht auch mit Schwimmen, Walken oder Yoga etwas Gutes tun. Einfach und hilfreich kann auch dieses sein: Smartphone auf Höhe des Gesichtes halten, schauen Sie öfter mal auf und in die Ferne, um den Nacken zu lockern und die Augen zu entspannen. Auch jenseits des Handydisplays soll es eine Welt geben, in der man Schönes entdecken kann...

So nutzen wir unser Smartphone

  • Acht von zehn Menschen ab 14 Jahren in Deutschland (81 Prozent) nutzen ein Smartphone. Das entspricht 57 Millionen Nutzern. Für die überwiegende Mehrheit sind Smartphones ein wichtiger und nützlicher Begleiter im alltäglichen Leben, wie eine Bitkom-Umfrage ergab.
  • 86 Prozent der Befragten teilen ihre digitalen Erlebnisse, Fotos oder Videos direkt von unterwegs, vor allem über Messenger Apps (73 Prozent), gefolgt von sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram (52 Prozent). e-Mail (29 Prozent) und SMS (18 Prozent) spielen nur noch eine geringere Rolle. Auch bei den über 50-Jährigen sind die Messenger-Apps der bevorzugte Kanal (61 Prozent).
  • Knapp neun von zehn Nutzern (87 Prozent) sehen in den mobilen Geräten eine große Erleichterung im Alltag. Drei von vier (73 Prozent) können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen.
  • Die zentrale Bedeutung des Smartphones als Schaltzentrale des digitalen Alltags zeigt sich auch an der Dauer der Handyfreien Zeit, schnellen Reaktionszeiten und dem Teilen von Erlebnissen in Echtzeit, wie eine aktuelle repräsentative Studie im Auftrag von Telefónica Deutschland belegt. Lediglich 22 Prozent aller Befragten legen während ihrer Freizeit das Smartphone länger als 60 Minuten aus der Hand, bei den 18- bis 29-Jährigen sind dies nur sieben Prozent, denn Musikhören über das Handy ist ein zentraler Bestandteil ihrer freien Zeit. Jeder Zweite dieser Altersgruppe antwortet innerhalb von fünf Minuten auf eine Nachricht.

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