Die Hüfte

Egal ob Stehen, Gehen oder Beugen: Ohne ein funktionierendes Hüftgelenk sind diese Bewegungen nur sehr eingeschränkt möglich.

Das Hüftgelenk ist nach dem Knie das zweitgrößte Gelenk des Menschen. Es verbindet das Becken mit dem Oberschenkelknochen und besteht aus dem kugelförmigen Hüftkopf sowie der Hüftpfanne im Becken. Diese beiden "Gelenkpartner" sind an ihren Kontaktflächen mit einer glatten Knorpelschicht übrzogen, damit sie reibungslos und schmerzfrei aufeinander gleiten können.

Bei der Hüfte umfasst die Gelenkpfanne den Gelenkkopf wie ein Baseballhandschuh, der einen Ball umschließt. Durch dieses enge Umschließen des Gelenkkopfes kann die Hüfte nur zu einem gewissen Grad bewegt werden, da die Knochen der Pfanne den Radius vorgeben.

Bewegt wird das Hüftgelenk durch verschiedenen Sehnen und fünf Muskelgruppen: Beuger, Strecker, Heranführer, Abspreizer sowie Auswärts- und Einwärtsdreher. Im Laufe eines Tages beanspruchen wir das Hüftgelenk durch 3000 Schritte und noch einmal 3000 andere Bewegungsabläufe. Dazu gehören sitzen, aufstehen oder in die Hocke gehen.

Ist die Hüfte verletzt oder erkrankt, wird die Lebensqualität der Betroffenen teilweise erheblich eingeschränkt. Gerade in höherem Alter kann eine solche Einschränkung schnell zur Pflegebedürftigkeit führen.

So funktioniert das Hüftgelenk

Das Hüftgelenk besteht aus der Hüftpfanne im Beckenknochen und dem Hüftkopf, dem oberen Ende des Oberschenkelknochens. Die das Gelenk umschließende Gelenkkapsel produziert eine Flüssigkeit, die den Knorpel ernährt und für eine reibungsfreie Bewegung sorgt. Ähnlich wie bei einem Stoßdämpfer wird auf diese Weise die Kraft, die bei jedem Schritt oder Sprung auftritt, abgefangen. Dennoch wirken im Laufe eines Lebens unglaubliche Belastungen auf das Hüftglenk ein. Bänder zwischen den Knochen geben dem Gelenk die notwendige Stabilität; durch Muskeln und Sehnen wird es zusätzlich stabilisiert und bewegt.

Oberschenkelhalsfraktur

Bei älteren Menschen mit geringerer Knochenfestigkeit - meist bedingt durch eine Osteoporose - reicht oft ein einfacher Sturz auf die Körperseite, um den Oberschenkelhals zu brechen. Aber auch bei jüngeren Personen kann es durch einen schweren Sturz zu einem Bruch des Oberschenkelknochens an dieser Stelle kommen.

Wenn der Oberschenkelhals bricht, muss in aller Regel operiert werden. Ein Bruch am Außenrand des Schenkelhalses kann oft durch eine Nagelung geheilt werden.Dabei wird über einen kleinen Schnitt ein kurzer Nagel von oben in den Oberschenkelknochen eingeführt. Mit Hilfe eines speziellen Zielgerätes wird eine stabile Schraube durch den Nagel in den Schenkelhals eingeschraubt, um den Bruch für die Heilung zu fixieren.

Die Klassifizierung des Bruchwinkels nach Pauwel ist ein Richtpunkt der Therapiewahl:
Liegt der Oberschenkelhals nahe am Hüftkopf, ist eine normale Knochenbruchheilung nicht mehr möglich, egal ob jung oder alt. In solchen Fällen muss fast immer sofort ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden.
Ursache für diese sehr eingeschränkte Heilbarkeit sind die hohen Kräfte, die bei fast jeder Bewegung auf dem Hals des Oberschenkels lasten.

Typ I

Oberschenkelhalsbrüche bis zu einen Bruchwinkel von 30 Grad sind bei jüngeren Patientin oft noch ausreichend stabil für eine normale Knochenheilung.

Typ II

Bei einem Bruchwinkel bis 50 Grad ist eine normale Knochenheilung nur in sehr seltenen Fällen zu erwarten.

Typ III

Wenn der Bruchwinkel über 50 Grad liegt, verschieben sich die Bruchenden dauerhaft durch die einwirkenden Kräfte. Hier hilft nur eine Endoprothese, die die Stabilität an dieser Stelle wiederherstellt.

Gelenkverschleiß - die Coxarthrose

Gesunder Gelenkknorpel hat herausragende Eigenschaften: Er sorgt für eine gleichmäßige Druckverteilung auf die Knochen, selbst wenn auf die Oberfläche nur einseitig Druck einwirkt. Dabei reibt der Knorpel auch unter starker Belastung nicht ab.

Diese Druckverteilung und Stoßdämpferfunktion“ funktioniert nicht mehr, sobald der Knorpel geschädigt ist. Es kommt zu einem Abrieb mit zunehmendem Knorpelverlust, denn Gelenkknorpel kann sich nicht wieder bilden.

Am Anfang bemerken die meisten Patienten diesen Gelenkverschleiß nicht. Allerdings entwickelt sich mit fortschreitendem Verschleiß eine Entzündung der Gelenkinnenhaut, die zu Schmerzen führt. Diesen Status bezeichnet man als aktivierte Arthrose. Dabei verdickt sich die Gelenkkapsel, vernarbt und wird immer steifer.

Es kommt zuerst zu Einschränkungen der Drehfähigkeit des Hüftgelenks. Der weitere Verlauf ist ein Teufelskreis: Das zerstörte Knorpelgewebe löst dabei selbst die Entzündungsprozesse aus, die wiederum den Gelenkknorpel zerstören. Durch den Abrieb entstehen Formveränderungen an Hüftkopf und -pfanne. Die Folge sind noch größere Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Die ganze Bewegung wird schmerzhaft, die Muskulatur wird nicht mehr trainiert und die Arthrose nimmt, frei nach dem Motto „wer rastet, der rostet“, weiter zu.

Eine Hüftgelenksarthrose macht sich meist im fortgeschrittenen Alter bemerkbar. Sie beginnt aber schon Jahre vorher. Die Ursache dafür können angeborene Fehlstellungen des Hüftgelenks (Hüftdysplasie), Folgen von Verletzungen, eine Überbeanspruchung durch Übergewicht oder aber auch Leistungssport (insbesondere Fußball) sein.

Gerade die Hüftdysplasie ist eine Erkrankung, die in Franken und Thüringen häufig auftritt. Bei einer Hüftdysplasie stehen die beiden Gelenkpartner nicht richtig zueinander.

Diese Fehlpositionierung des Hüftgelenks kann durch eine Ultraschalluntersuchung relativ früh nach der Geburt erkannt werden. Eine rechtzeitige Therapie wie eine Spreizhose verhindert spätere Schäden und die Entwicklung einer Arthrose.

SYMPTOME

Typische Symptome für den Verschleiß an der Hüfte sind lokale Schmerzen. Je jünger die Patienten sind, desto häufiger strahlen die Hüftschmerzen aber auch bis ins Kniegelenk der gleichen Körperseite aus.

Der Gelenkverschleiß macht oft schleichend mit Schmerzen auf sich aufmerksam.

Gute und schlechte Tage wechseln sich ab. Typisch sind Schmerzen nach dem Aufstehen, der sogenannte „Anlaufschmerz“: Die ersten Schritte am Morgen oder nach längerem Sitzen bereiten Beschwerden. Im fortgeschrittenen Stadium der Verschleißerkrankung werden die Schmerzen zum Dauerbegleiter: Sie treten auch im Ruhezustand auf und sind oft in anderen Körperteilen spürbar.

DIAGNOSE

Neben einer manuellen Untersuchung, bei der die Beweglichkeit des Hüftgelenks in alle Richtungen geprüft wird, ist eine Röntgenaufnahme von Hüfte und Becken unerlässlich.

Beim gesunden Hüftgelenk ist der Gelenkspalt im Röntgenbild glatt und gleichmäßig ausgeformt zu erkennen. Ein schmaler oder gar nicht mehr erkennbarer Gelenkspalt weist auf Knorpelverlust durch Verschleiß hin. Ein erfahrener Arzt kann am Röntgenbild auch Formveränderungen des Knochens erkennen, die einen Knorpelverschleiß bereits im Frühstadium anzeigen. Eine Computertomographie oder ein MRT (Magnetresonanztomographie) können in manchen Fällen zusätzlich Aufschluss über die Art der Erkrankung geben.

Konservative (nicht-operative) Behandlungsmethoden

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, die die Knorpel- und Knochenschäden zwar nicht beseitigen, die aber eine Operation hinauszögern und Beschwerden lindern können.

  • Durchblutungsfördernde Maßnahmen
    • Die einfachste und günstigste Art, die Durchblutung und den Stoffwechsel in Schwung zu bringen, sind Wechselduschen. Dabei wird der Körper abwechselnd mit warmem und danach kaltem Wasser abgeduscht. Das Ganze wird drei Mal wiederholt. Die Wechseldusche sollte mit dem kalten Strahl enden.
  • Bewegung stärkt die Muskulatur
    • Schmerzen führen dazu, dass man sich schont und sich weniger bewegt. Das kann gerade bei der Hüfte die Beschwerden verstärken. Denn durch die mangelnde Bewegung werden die Muskeln nicht mehr trainiert und es kommt zu Muskelschwund, der die Schmerzen zusätzlich verstärkt. Deshalb ist es bei einer Verschleißerkrankung sehr wichtig, dass die Muskeln und die Bewegungsabläufe trainiert werden.
  • Dehnung des Gelenks
    • Durch die Verschleißerkrankung verkrampfen und verkürzen sich die Muskeln, was zu zusätzlichen Schmerzen führen kann. In Therapiegruppen oder unter Anleitung im Fitnessstudio können Dehnungsübungen und vorsichtiger Zug – beispielsweise am Bein auf der betroffenen Seite – helfen, die Hüfte zu entlasten und die Verkrampfungen zu lösen.
    • Schwimmen und Bewegung im warmen Wasser sind ebenfalls gute Möglichkeiten, um den Schmerz zu bekämpfen. Denn durch den Auftrieb des Wassers werden die Gelenke nicht mehr durch das Gewicht des Körpers belastet.
  • Medikamentöse Behandlung
    • Durch die Hüftarthrose entstehen Schmerzen und Entzündungen, die jeweils medikamentös behandelt werden. Allerdings können auch Medikamente nicht unbegrenzt eingesetzt werden. Oft beeinträchtigen die Nebenwirkungen immer höherer Dosierungen die Patienten so stark, dass sie sich im Gesamtresultat nicht viel besser fühlen.