„Schmerzen sind kein Schicksal“

Drei Fragen an den Chefarzt des Schmerzzentrums

Jeder zweite Patient, der eine orthopädische Praxis oder eine zentrale Notaufnahme aufsucht, tut dies aufgrund akuter oder chronischer Wirbelsäulenbeschwerden – was bedeutet das in der Praxis?

Auf Ruhrpott-Deutsch - „Rücken“ ist allgegenwärtig und nimmt zu. Wir sehen, wie verbreitet dieses Leiden in der Bevölkerung ist und welch‘ großer Bedarf an therapeutischer Intervention schon jetzt besteht.

Wenn nicht gerade eine schwere neurologische Störung oder ein beginnendes bzw. bestehendes Querschnittssyndrom vorliegen, werden Rückenschmerzen zunächst konservativ, also nicht-operativ, behandelt. In der Regel kann eine solche Therapie ambulant durch einen Orthopäden, Schmerztherapeuten, Chirurgen, Neurochirurgen oder Radiologen in der Praxis erfolgen. Reicht diese Behandlung nicht aus, greift die konservative, stationäre multimodale Therapie des Schmerzzentrums in Ratingen.

Was machen Schmerzen mit uns?

Schmerzen im Allgemeinen und Rückenschmerzen im Besonderen, die mehr als drei bis sechs Monate anhalten, können das gesamte Leben auf den Kopf stellen. Man bekommt Angst vor schmerzauslösenden Bewegungen, leidet unter traurig-depressiven Verstimmungen, sozialem Rückzug oder dem Verlust des Arbeitsplatzes.

Wie lässt sich das verhindern?

Betroffene können durch einen psychologischen Behandlungsansatz lernen, dass Schmerz keine statische, unveränderliche Tatsache ist. Schmerzen sind kein Schicksal, das man hinnehmen muss. Es ist möglich, die Wahrnehmung und Bewertung des Schmerzes zu beeinflussen, auch wenn der Schmerz nicht nachlässt. Wir arbeiten dafür bei chronisch Erkrankten mit der multimodalen Schmerztherapie. Ziel ist es, für jeden Betroffenen aktive Bewältigungswege zu entwickeln, um mehr Aktivität und damit mehr Lebensqualität zu erlangen – trotz der Schmerzen. Das kann das Leiden reduzieren, auch wenn man dadurch nicht unbedingt ganz schmerzfrei wird. Es gibt ein breites Spektrum von Behandlungsmöglichkeiten. Zum Beispiel stabilisierende Wirbelsäulengymnastik, Mobilisation, gerätegestützte Krankengymnastik, Reizstromverfahren, psychologische Betreuung mit Gruppentherapie, entspannungsübungen und Vorträge zum Thema Schmerz – all das kann helfen